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Integrative Forschung und Lehre

Der integrative Forschungs­ansatz des Instituts basiert auf der Verbindung von Medizinrecht, Gesundheitsrecht und Bioethik unter Einbeziehung der beteiligten wissenschaft­lichen Disziplinen. Der „Blick über die Grenze“ prägt die Arbeit des Instituts darüber hinaus auch aus der Perspektive der „Binnen­sicht“ innerhalb dieser jeweiligen Forschungs­gebiete.

Die Erforschung der Themengebiete des Instituts sowie die Transformation der Forschungs­ergebnisse in die Praxis erfordern den interdisziplinären Austausch und die Zusammenarbeit mit Fach­leuten aus unterschiedlichen Bereichen der Wissenschaft und Praxis. Zu nennen ist beispielsweise die Notwendigkeit des Dialogs zwischen Medizinrecht und Medizin, um sicherzustellen, daß sich das Recht in ständiger Rückbindung an die fach­lichen Gegebenheiten und Er­kenntnisse der Medizin entwickelt. Gleiches gilt für den Bereich der Bio­wissenschaften. Zudem lassen sich zahlreiche gesundheitsrechtliche Fragen nicht ohne Einbindung der soziologischen und ökonomischen Hintergründe beantworten.

Das Problem: rein sektorale Betrachtungs­weise

Das Recht der Medizin ist in Deutschland bislang fast ausschließlich in den Grenzen der traditionellen juristischen Bereiche des Zivil-, Straf- und öffentlichen Rechts betrachtet worden. Diese sektorale Betrachtungs­weise wird zahlreichen Sachfragen des Medizin- und Gesundheitsrechts jedoch nicht gerecht, sei es, weil die jeweilige Regelungs­aufgabe verschiedene klassische Rechts­gebiete betrifft, sei es, weil sie sich keinem dieser Gebiete eindeutig zuordnen läßt. Zudem behindert die Aufspaltung übergreifende wissenschaft­liche Denkansätze. Demgegenüber ist es notwendig, die verschiedenen Disziplinen zu integrieren.

Die modernen medizinrechtlichen und gesundheitsrechtlichen Probleme erfordern ein intensives Zusammenwirken von Fach­vertretern des privaten Rechts, des öffentlichen Rechts unter besonderer Berücksichtigung des Verfassungs­rechts und des Sozial­versicherungs­rechts sowie des Strafrechts. Es gilt, die herkömmlichen juristischen Fach­grenzen zu überwinden, ohne dabei deren spezifischen Sachverstand ersetzen zu wollen.

Das IMGB als Basis interdisziplinären Austauschs

Diesem Erfordernis begegnet das Institut für Medizinrecht, indem es auf institutioneller Basis die Zusammenarbeit von Wissenschaft­lern aus den unterschiedlichen Disziplinen koordiniert und den interdisziplinären Austausch in Wissenschaft und Lehre fördert. Dies spiegelt sich bereits in der Zusammensetzung des Direktoriums wider: Das Institut steht unter der Führung von ausgewiesenen Vertretern der genannten herkömmlichen Disziplinen und vereinigt so Wissenschaft und Lehre der unterschiedlichen juristischen Bereiche.

Das Institut will vor diesem Hintergrund als Ansprech­partner dienen, der medizin- und gesundheitsrechtliche Fragen umfassend und problem­orientiert beantwortet und nicht nur sektorale Teilauskünfte geben kann. Für die Lehr­tätigkeit des Instituts bedeutet das zugleich, den angehenden Juristen diese integrative Sichtweise zu vermitteln und sie dadurch auf die einschlägige Praxisberufe in Rechts­etzung, Rechts­pflege, Verwaltung, Wirtschaft, Gesundheitswesen oder Verbänden vorzubereiten. Nicht nur in der Justiz und der Anwaltschaft, auch in den Gesundheits­ministerien, bei den Ärztekammern, bei Berufsverbänden und Versicherungen, in den Klinikverwaltungen, in den Ethik­kommissionen, den Schieds- und Gutachter­kommissionen wird eine stetig wachsende Zahl von Juristinnen und Juristen benötigt, die neben einer grenzüberschreitenden Sichtweise über medizinrechtlichen und gesundheitsrechtlichen Sachverstand verfügen.