GenE-TyPE (Genome Editing – from Therapy via Prevention to Enhancemet?)

Eine naturwissenschaftliche, ethische und rechtliche Analyse moderner Verfahren der Genom-Editierung und deren möglicher Anwendungen

Gesamtkoordination: Prof. Dr. Jochen Taupitz; Ass.iur. Silvia Deuring
Projektpartner: Prof. Dr. med. Christiane Woopen; Dr. phil. Minou Friele; Dr. phil. Marcel Mertz (Uniklinik Köln);
Prof. Dr. rer. Nat. Dipl.-Med. Boris Fehse (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf)

Bewilligungszeitraum: 01.09.2016 – 31.08.2019

Ziel des Verbundprojekts „GenE-TyPE“ ist die ethisch-rechtliche Bewertung der Anwendung moderner Verfahren der Genom-Editierung am Menschen. Diese Verfahren sind dadurch gekennzeichnet, dass sie, im Gegensatz zu früheren gentechnologischen Methoden, präzise Veränderungen im Genom vornehmen können. Während bei den herkömmlichen Verfahren fremdes Erbgut in Zellen eingebracht wurde, welches dann quasi blind an irgendeiner Stelle des Genoms integrierte, kommen nun sog. Designernukleasen zum Einsatz, die als programmierbare „Genscheren“ bestimmte Genloki aufsuchen und dort einen Doppelstrangbruch der DNS vermitteln. Mithilfe zelleigener Reparaturmechanismen ist es möglich, an der Schnittstelle gezielt einzelne Bausteine der DNS auszutauschen, um so gewissermaßen jede beliebige Veränderung am ausgewählten Genlokus zu erreichen. Die bekannteste „Genschere“ ist das CRISPR/Cas9-System, das seit seiner Entdeckung durch die Forscherinnen Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna im Jahre 2012 in aller Munde ist. Im Frühjahr 2015 erfolgte dann der erste und höchst umstrittene Einsatz dieser Designernuklease durch chinesische Forscher an – nicht überlebensfähigen – menschlichen Embryonen.

Die Methoden der Genom-Editierung sind dabei, das Feld der Gen-Technologie zu revolutionieren. Sie entwickeln sich unaufhaltsam weiter und gewinnen hierdurch in ihrer Anwendung fortlaufend an Präzision und Effektivität. Die denkbaren Anwendungsgebiete sind breit und zum Teil äußerst umstritten, sodass eine Auseinandersetzung hiermit im Vorfeld ihrer tatsächlichen Anwendung unentbehrlich ist. Einerseits können die Methoden an Körperzellen geborener Menschen eingesetzt werden, wobei es möglicherweise zu einer unbeabsichtigten Auswirkung auf Keimbahnzellen kommen kann.  Andererseits lassen sich hierdurch auch gezielt Keimbahnzellen genetisch verändern. Diese unterschiedlichen Anwendungsgebiete können zudem weiter in verschiedene Anwendungsziele unterteilt werden, konkret Therapie, Prävention und Enhancement. Diese Differenzierungen sind der Ausgangspunkt der Forschungsarbeit des Verbundprojekts. Teilprojekt 1 wird hierfür den anderen beiden Teilprojekten eine empirische Datenbasis liefern durch Analysierung der unterschiedlichen Anwendungsbereiche. Teilprojekt 2 sammelt und erfasst die relevanten Argumente für und gegen die Anwendung von Genom-Editierung in den verschiedenen Kontexten mit dem Ziel, ein ethisch-rechtliches Rahmengerüst zu entwickeln, mit dem Forschern und Ethikern ein Mittel zur Bewertung der verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten an die Hand gegeben werden soll. Teilprojekt 3 widmet sich einer Analyse der bestehenden Regelungen des Embryonenschutzgesetzes und untersucht die Rechtslage zudem rechtsvergleichend. Zudem bewertet Teilprojekt 3 die unterschiedlichen Verfahren verfassungsrechtlich auf der Suche nach einer Regelung, die den neuen Gegebenheiten gerecht wird. Ziel ist es, eine Handlungsempfehlung an den Gesetzgeber zu formulieren.